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„Ich soll meinem Team erklären, was KI für uns bedeutet. Aber ich verstehe es selbst nicht."

KI-Kompass – Künstliche Intelligenz und Führung

Dienstagmorgen, 9 Uhr, ein Coaching-Gespräch per Video.

Thomas ist Bereichsleiter in einem Industrieunternehmen, 47 Jahre alt, seit 22 Jahren im Unternehmen, die letzten acht davon in Führungsverantwortung. Typ Macher. Einer, der Probleme löst, bevor andere sie buchstabiert haben. Sein Team vertraut ihm, weil er immer eine Antwort hat.

Heute hat er keine.

Er reibt sich die Stirn, schaut kurz an der Kamera vorbei und sagt dann einen Satz, den ich in den letzten Monaten in verschiedenen Varianten erstaunlich oft höre: „Ralf, die Geschäftsführung will, dass wir KI in unsere Prozesse integrieren. Ich soll nächste Woche vor meinem Team stehen und erklären, was das für uns bedeutet. Aber wenn ich ehrlich bin — ich verstehe es selbst nicht. Nicht wirklich."

Stille. Ich sage nichts. Weil ich spüre, dass da noch etwas kommt.

„Das Schlimmste ist: Ich kann das niemandem sagen. Wenn ich da vorne stehe und zugebe, dass ich nicht weiß, wohin die Reise geht — was bin ich dann noch für eine Führungskraft?"

Da ist er. Der Moment, der mich nicht mehr losslässt. Nicht weil Thomas eine Ausnahme ist — sondern weil er die Regel ist.

Ich erlebe gerade in vielen Unternehmen das Gleiche: Die Strategie sagt „KI". Die Präsentationen sagen „KI". Die externen Berater sagen „KI". Aber die Menschen, die das Ganze umsetzen sollen — die Teamleiter, die Abteilungsleiter, die Bereichsleiter — sitzen dazwischen und fühlen sich wie Übersetzer einer Sprache, die sie selbst gerade erst lernen.

Und das Gefährliche daran ist nicht die Unsicherheit. Unsicherheit ist normal, wenn sich etwas grundlegend verändert. Das Gefährliche ist das Schweigen. Führungskräfte, die so tun, als hätten sie verstanden. Teams, die nicht fragen, weil der Chef nicht fragt. Und eine Organisation, die eine Transformation startet, in der sich niemand traut zu sagen: Moment mal — ich brauche noch einen Schritt.

Was ich Thomas an diesem Dienstagmorgen gesagt habe? Drei Dinge.

Erstens: Du musst nicht alles verstehen, um dein Team zu führen. Du musst verstehen, was dein Team gerade braucht — und das ist nicht eine KI-Strategie. Das ist jemand, der ehrlich sagt: Ich lerne das gerade auch. Lasst es uns gemeinsam herausfinden.

Zweitens: Deine Stärke war nie, alle Antworten zu haben. Deine Stärke war immer, die richtigen Fragen zu stellen und dein Team in Bewegung zu bringen. Daran ändert KI genau nichts.

Drittens: Jeder, der dir heute erzählt, er wisse genau, wie KI dein Unternehmen in drei Jahren verändert haben wird — verkauft dir etwas. Niemand weiß das. Die ehrlichste Haltung, die du einnehmen kannst, ist: Wir fangen an, wir probieren aus, wir lernen, wir korrigieren. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche. Das ist Führung im Nebel. Und genau dafür braucht dein Team dich.

Thomas hat eine Woche später vor seinem Team gestanden. Er hat nicht so getan, als hätte er alle Antworten. Er hat gesagt: „Ich bin da selbst noch nicht durch. Aber ich will, dass wir das gemeinsam angehen — und ich fange bei mir an." Danach erzählte er mir, dass in diesem Meeting zum ersten Mal seit Monaten wirklich geredet wurde. Nicht über Folien. Über echte Fragen.

Manchmal ist der mutigste Satz einer Führungskraft nicht „Ich weiß, wo wir hinmüssen." Sondern: „Ich weiß es noch nicht. Aber ich bin bereit, es herauszufinden — mit euch."

Meine Frage an dich: Wann hast du das letzte Mal vor deinem Team etwas zugegeben, das du noch nicht verstanden hast — und was ist danach passiert?

Führe dich selbst, und alles andere folgt.
— Ralf

Klingt das nach einer Situation, die du kennst?

Wenn du jemanden suchst, der mitdenkt — nicht nur zuhört — lass uns reden.

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Weitere Impulse

Schau gern in die vollständige Übersicht für mehr Gedanken aus der Serie „Führung ist kein Zuschauersport".

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