Mein bester Mitarbeiter will nicht führen. Und das ist eine gute Nachricht.
Er war der Beste im Team. Technisch brillant, zuverlässig, respektiert von allen. Die logische Konsequenz: Beförderung zur Führungskraft.
Sechs Monate später saß er bei mir und sagte: „Ich vermisse meine alte Arbeit."
Dieser Satz fällt öfter, als Unternehmen wahrhaben wollen. Und er zeigt ein Systemproblem, das sich seit Jahrzehnten hält: Der einzige Weg nach oben führt über Führung. Wer wachsen will, muss Menschen führen. Wer das nicht will, bleibt stehen.
Das Ergebnis: Exzellente Fachkräfte werden zu frustrierten Führungskräften. Nicht weil sie schlecht führen — viele lernen es — sondern weil sie morgens aufstehen und etwas anderes tun als das, worin sie großartig sind.
Die Frage ist nicht: Wie machen wir bessere Führungskräfte aus Fachexperten? Die Frage ist: Warum ist Führung der einzige Karriereweg, den wir anbieten?
Unternehmen, die das verstanden haben, bauen parallele Karrierepfade. Fachkarrieren, die genauso anerkannt, sichtbar und vergütet werden wie Führungspositionen. Nicht als Trostpreis für die, die es „nicht geschafft" haben — sondern als gleichwertiger Weg.
Wenn dein bester Mitarbeiter sagt „Ich will nicht führen", dann ist das keine Absage. Dann ist das jemand, der genau weiß, wo sein Wert liegt. Und eine Organisation, die das respektiert und nutzt, ist weiter als die meisten.
Meine Frage: Gibt es in eurem Unternehmen einen echten Karriereweg, der nicht über Führung geht — einen, der nicht nur auf dem Papier existiert?
Führe dich selbst, und alles andere folgt.
— Ralf
Weitere Impulse
Schau gern in die vollständige Übersicht für mehr Gedanken aus der Serie „Führung ist kein Zuschauersport".